Wasserkraft und Fischerei

Fische sind keine Kulturflüchter, Wehrbauwerke und Ufermauern Fördern regelmäßig den Fischbestand
Aufsatz fürs WTW September 1998

Die Richtigkeit dieser Feststellung wurde jetzt im Rahmen einer Untersuchung nach einer Bachbettverfüllung nachweisbar bestätigt :

Fallbeispiel Ilgenbach

Ein Murgzufluss , der nach dem Austritt aus dem Wald in das bewohnte Tal auf einer Länge von über 1 km in den 30er Jahren zur Arbeitsbeschaffung in der Art sogenannter Wildbachverbauungen durchgehend abtreppt und alle 30 - 40 m mit einer gemauerten Stufe versehen wurde. Unterhalb jeder Stufe befinden, bzw. befanden sich tiefe Gumpen, nach deren Auslauf schließt sich dann eine relativ seichte Flachwasserzone bis zum nächsten Absturz an. Die ausgeschwemmten tiefen Gumpen boten vielen größeren Forellen Lebensraum und Unterstand. Die seicht überströmten Stellen dienten als Laichbett, dort hielten sich Brut- und Jungfische auf, obwohl ein derartig verbauter Bach für die Fischereiökologie, ebenso wie für den Naturschutz als abschreckendes Beispiel für ein verdorbenes Gewässer angesehen wird, war dieser Bach bis vor kurzem das am besten besetzte Teilstück aller Fischereireviere an der oberen Murg.

Abgetreppt ausgebauter Ilgenbach, vor der VerfüIlung ein hervorragendes Fischwasser.

Die Fische fragen nicht nach der Meinung der Ökologen, sie brauchen strömungsberuhigte tiefe Unterstände, die sie vor Feinden schützen und Habitate in denen sie jagen können. Selbst das Nahrungsangebot rangiert gegenüber diesen Bedürfnissen erst an zweiter Stelle.

 

Die Forellen interessiert es nicht, ob ihre Unterstände, ob ihre Reviere von der Natur oder vom Menschen geschaffen wurden.

Würde man heute übereifrig im Zuge sogenannter Renaturierungsmaßnahmen diese Abstürze beseitigen, dann ginge der Fischbestand weitgehend verloren.

Die Breite des ausgebauten Gewässerbettes ist notwendig um die Hochwässer aufzunehmen.

In Niedrigwasserzeiten geht die Wasserführung des Baches bei ca. 4,5 qkm Einzugsgebiet auf Werte um oder unter 100 1 / sec. zurück, das Wasser würde dann nur als Rinnsal im Geröllbett verbleiben, der verbleibende Lebensraum der Forellen ginge auf Bruchteile der Habitate zurück, die durch die Abstürze jetzt geboten werden.

Im Rahmen der Errichtung der Ortskanalisation ersparte sich de Baufirma die Abfuhr des Grabenaushubes und entsorgte diesen durch Verfüllung der Gumpen im Bachbett.

Mit schwerem Substrat verfüllter Wehrgumpen

Im Zuge des Trassenbaues für die Kanalisation wurde nicht nur das Bachbett verfüllt, sondern auch der Uferbewuchs entfernt . Es entstand dadurch ein beträchtlicher Fischereischaden, so dass eine elektrische Kontrollbefischung notwendig war.


An anderen Stellen wurden Erddeponien und Überfahrten im Bachbett errichtet.

Mit Sedimenten verfülltes Bachbett, vollständig entfernter Uferbewuchs

Untersucht und verglichen wurden 5 verfüllte mit 5 unverfülllten Stufen.
Das Ergebnis war erstaunlich, in den 5 unverfüllten Stufen konnten folgende Fischbestände aufaddiert festgestellt werden:

GrößeForellen
bis 5 cm 35
bis 10 cm 76
bis 15 cm 74
bis 20 cm 79
bis 25 cm 50
bis 30 cm 18
bis 35 cm 4
bis 40 cm 1

zusammen 337 

In den verfüllten Stufen waren noch feststellbar:

GrößeForellen
bis 5 cm 14
bis 10 cm 17
bis 15 cm 22
bis 20 cm 18
bis 25 cm 7

zusammen 78

Bei den fangfähigen Fischen ab 25 cm entstand also ein 100%iger Totalausfall.

Auch insgesamt beinhalteten die verffüllten Stufen gegenüber den unverfülllten Stufen nur noch einen Fischbestand von 23%, also 77% weniger als die offenen Abstürze.

Gäbe es diese Querbauwerke nicht, dann wäre der Ilgenbach in Trockenzeiten nur ein breites Gerinne mit wenig Wasser und noch weniger Unterständen, man kann aus diesen Ergebnissen schließen, dass dann auch der Fischbestand um 77 % geringer wäre.

Ein weiteres Beispiel, wie gerne Fische Kunstbauwerke annehmen ist vom Oberlauf der Rotmurg.

Unterspülte Ufermauer auf Holzrost, ein idealer Forellenunterstand

Nach einem Wehrabsturz wird der Bach auf etwa 15 m gegen die Forststraße durch eine Rotsandsteinmauer begrenzt, die wiederum nach alter Technik auf Holzroste aufgesetzt wurde.

Das Gewässer wird vom Verfasser seit 38 Jahren betreut, im Abstand von einigen Jahrzehnten werden immer wieder elektrische Kontrollbefischungen vorgenommen. Das Ergebnis ist fast immer das gleiche, auf die Länge der Ufermauer bis zum Lattenrost unterhalb des Wehres werden 7 Forellen der Größe zwischen 15 und 30 cm gefangen, keine mehr, keine weniger, dies obwohl der Bach relativ seicht ist.

An anderen Seichtstellen ohne Ufermauern und ohne Holzroste mit natürlichem Ufer befinden sich keine geeigneten Unterstände und damit auch keine Fische.

Beispiel 2 Altes Wiesenwässerungswehr im Buhlbach.

 

Bei der elektrischen Kontrollbefischung im Frühjahr 1998 wurden im Wehr Gumpen, ebenso wie in der Staustrecke oberhalb des Wehres jeweils nachgewiesen:

Stauraum oberhalb des Wehres

GrößeBachforellen
bis 10 cm 6
bis 15 cm 9
bis 20 cm 6
bis 25 cm 1
bis 30 cm 6

zusammen 28
   

Im Wehrkolk wurden abgefischt:

GrößeBachforellen
bis 15 cm 8
bis 20 cm 7
bis 25 cm 7
bis 30 cm 2

zusammen 24

In der unberührten Bachstrecke, dort wo das Gewässer relativ seicht verläuft und nicht von Kunstbauwerken des Menschen geprägt ist, liegt die Bestandsdichte nur etwa bei 25 - 30 % gegenüber den Oberwassern und Unterwassern des Wehrbereiches.

Auch am Buhlbach bestanden bis in die Nachkriegszeit hinein ausgedehnte Wässerungsgräben, die als hervorragende Brut- und Laichfischhabitate funktionierten.

Zu diesem Zeitpunkt war der Fischbestand im gesamten Bachbereich nach Aussage der älteren Anwohner ebenfalls wesentlich größer und reichhaltiger.

Deshalb soll auch jetzt hier versucht werden, die alten Wiesenbewässerungsgräben wieder zu öffnen.

Auch im Rechtmurgbereich, einem anderen Quellfluss der Murg steigt der Fischbestand im Quadrat ab dem Eintritt in den Ortsbereich mit bereichsweise hohen Ufermauerwerken und mehreren Wehrabstürzen.

Auch dort ergab die elektrische Befischung: je tiefer, bzw. je höher der Wehrabsturz und Je länger die hohlen Ufermauern, desto mehr und desto größere Fische finden dort ihren Lebensraum.

Diese nachweisbaren Tatbestände belegen, dass die Fischerei sich selbst einen Bärendienst leisten würde, wenn es ihr gelänge, die vorhandenen Wehre und Wehrbauwerke in unseren Gewässern zu beseitigen.

Das Gegenteil ist der Fall, Wehre und Wehrbauwerke mehren und fördern den Fischbestand, wer die Wehre, die Querbauwerke, wer die Abstürze beseitigt handelt für die Fische wie derjenige, der als " Renaturierung " das Abrennen und Abreißen unserer Wohnhäuser betreiben wollte :

Fische wollen keine Renaturierung im idealistischen Sinne, sondern Wohn- und Revierplätze, verbunden mit einem ausreichenden Nahrungsangebot und einmal im Jahr auch geeignete Laichplätze.

Kunst- und Kulturbauten des Menschen, die diese Voraussetzungen erfüllen, werden von den Fischen gerne angenommen.

Auch diese Tatbestände belegen, dass die Fischerei durch die Wasserkraftnutzung nicht geschädigt, sondern gefördert wird.

Manfred Lüttke

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