Seeforellen steigen wieder auf

Wenn die Wasserqualität verbessert und fischereilicher Raubbau eingestellt wird stabilisiert sich auch wieder der Seeforellenbestand
Artikel fürs WTW November 1998


In den Bodensee-Zuflüssen wurden erstmals wieder viele Seeforellen während ihrer Laichwanderung gesichtet - ein erfreuliches Resultat der Schutzmaßnahmen und Biotopverbesserungen.

Laut Fisch und Fang gab das Regierungspräsidiums Tübingen bekannt, dass im Spätherbst und Winter 97/98 wieder viele Seeforellen zum Laichen in die Zuflüsse des Bodensees aufgestiegen seien.

Bis in den Landquart , einem Zufluss des Alpenrheines aus Graubünden seien die Seeforellen aufgestiegen.

Der Bodensee zählte bis Mitte der 50er Jahre zu den nahrungsarmen Voralpenseen, bis zu diesem Zeitpunkt war die Seeforelle trotz ständiger Befischung nicht gefährdet.

Dies änderte sich mit der beginnenden Eutrophierung des Bodensees aufgrund der immer stärkeren Abwassereinleitungen.

Durch Abwässer und Eintragungen aus der Landwirtschaft wurde der Bodensee vom nahrungsarmen zum nahrungsreichen Gewässer, was zeitweise zu einer Explosion des Renkenwachstumes führte.

Durch das vergrößerte Nahrungsangebot wuchsen die Renken in kürzerer Zeit zu wesentlich größeren Exemplaren als bisher, was dazu führte, dass Jungfische sich vielfach bereits vor der ersten Laichreife in den Netzen der Fischer verfingen.

Salmoniden brauchen klares, sauberes und kühles Wasser mit sauberem kiesigem Untergrund.

Mit der Veränderung der Gewässercharakteristik vom klaren, kalten, nahrungsarmen zum eutrophierten nährstoffreichen Gewässer ging der Bestand der Seeforelle zwangsläufig ständig zurück.

Gleichzeitig gingen auch die Laichgründe in den aufgeschwemmten Kiesbänken der Einlaufbereiche der Zuflüsse weitgehend verloren, weil dort das Lückensystem , das vorher hervorragende Laichbetten abgab, durch Verschlammung seine Funktionsfähigkeit verlor.

Reißt die Wehre ein, forderten die Fischer, damit die Seeforelle überleben kann, dies obwohl nahezu alle Wehre in den Bodenseezuflüssen seit Jahrhunderten bestehen, ohne dass deswegen die Population der Seeforelle bedroht worden wäre.

Bedroht und dezimiert wurde die Seeforelle hingegen durch immer feinere Fangmethoden. Mit der Einführung der Nylonnetze endeten auch die aus Besatz eingebrachten Forellen bereits in jugendlichem Alter - lange vor der ersten Laichreife - in den Netzen der Berufsfischerei .

Statt die wirklichen, auch für die Fischerei unangenehmen Wahrheiten für den Rückgang der Seeforelle einzugestehen, outete man die seit unvordenklichen Zeiten bestehenden Wehre in den Zuflüssen als Schuldige und verlangte deren Abriss, obwohl es in der zurückliegenden Zeit im Bodensee, als dieser noch ein klares sauberes und nahrungsarmes Voralpengewässer war, trotz der Wehre und trotz der Wasserkraftnutzung immer eine stabile und ausreichende Seeforellenpopulation gab.

Dass die Seeforelle sich wieder entwickeln kann, wenn die Wasserqualität verbessert, die Eutrophierung durch Reduzierung des Nahrungstoffeintrages gebremst und der Raubbau durch Fang halbwüchsiger Forellen durch die Netzfischerei unterbleibt, belegt die erfreuliche Meldung, dass die Seeforellen wieder vermehrt aufsteigen

Das Hauptlaichgebiet der Seeforellen liegt im Einzugsbereich des Alpenrheines; selbstverständlich ist es sinnvoll, wenn im Alpenrhein und seinen wichtigsten Zuflüssen Aufstiegshilfen hergestellt werden.

Man muß sich aber darüber im klaren sein, dass hiervon die Existenz der Seeforelle im Bodensee nicht abhängt.

Ausschlaggebend ist die Wasserqualität und vor allem Grad und Umfang der Befischung durch Netzfischerei. Stimmt die Wasserqualität dann bieten die Schotterbänke der Einlaufbereiche der größeren Zuflüsse , wie Alpenrhein, Bregenzer Aache , Argen usw. ausreichende natürliche Laichmöglichkeiten , vorausgesetzt das Lückensystem des Substrates ist offen und nicht durch Abwasser und Schlamm zugesetzt.

Wenn die Lebensgrundlagen der Seeforellen im See nicht mehr gegeben sind, dann stirbt die Seeforelle aus, selbst wenn sie in allen Zuflüssen bis zur Quelle aufsteigen könnte. Selbst wenn man, wie zeitweise von der Fischerei gefordert, alle Wehre abreißen würde, dann würde dies nichts helfen, wenn der See nicht mehr die Voraussetzungen erfüllen kann, die die Seeforelle zu ihrer Entwicklung und zu ihrem Überleben benötigt.

Dass die Wehre in den Zuflüssen in erster Linie im Zuge der Flusslaufbegradigung notwendigerweise gebaut werden mussten, wird leider fast immer "übersehen" wenn gegen die Wasserkraftnutzung polemisiert wird.

Wie bekannt ist der Gewässeruntergrund des Bodensees auch in den Bereichen der Flusseinmündungen weitgehend verschlammt, so dass die natürliche Laichentwicklung eingeschränkt ist, aus diesem Grund kann der Bestand der wichtigsten Bodenseefische ohnehin nur durch ständigen Besatz mit Jungfischen aus verschiedenen Brutanstalten erhalten werden.

Auch diese Entwicklung hat mit der Wasserkraftnutzung nichts zu tun, die Wasserkraftnutzung hat auch in der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg die Entwicklung und die Populationen der Seeforellen in keiner Weise gemindert oder messbar beeinträchtigt.

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