Laichgründe schaffen

Nicht Durchgängigkeit, sondern die Schaffung von Laichgründen tut Not

Glaubt man den sich zu Wort meldenden Gewässerökologen, dann ist die fehlende Gewässerdurchgängigkeit Hauptschuldiger am Rückgang der Fischbestände, diese Annahme ist aber schlicht falsch.

Um Durchgängigkeit durchzusetzen, wird die europäische Wasserrahmenrichtlinie bemüht, obwohl diese nur von einem guten ökologischen Zustand, nicht aber von „Durchgängigkeit“ spricht.

Die Durchgängigkeit wird nicht in der Richtlinie selbst , sondern nur im Anhang am Rande erwähnt.

Tatsächlich ist für den Rückgang der Fischbestände keineswegs fehlende Durchgängigkeit, sondern die Gewässerverschmutzung , der Sedimenteintrag, der Verschluß des Lückensystemes, die Hormoneinschwemmung, die Begradigung, die Betonierung , die Drainage, die immer steileren Hochwasserabflüsse, die Abwasserfluten, die Überfischung und die Beseitigung geeigneter Laichmöglichkeiten ursächlich.

Fehlende Laichmöglichkeiten

Bis vor wenigen Jahrzehnten waren die das Gewässer begleitenden Wiesen von einem Netz von Wässerungs- , Drainage -, Quell – und Sickergräben durchzogen.
Die Graslaicher konnten bei den alljährlich stattfindenden periodischen Wiesenüberschwemmungen ihren Laich im Überschwemmungsbereich ablegen, nach dem Rückgang des Hochwassers fanden die ausgeschlüpften Brütlingen von Hecht, Barsch und Cypriniden ideale Habitate in den Drainage- und Entwässerungsgräben.

Auch im Salmonidenbereich in Mittelgebirgen, genauso wie in den Alpen waren die das Gewässer begleitenden Wiesen von einem Netz von Quellgräben , Bachverzweigungen und Wiesenwässerungsgräben durchzogen.

Diese seichten und vielfach auch gut strukturierten Kleingewässer gaben hervorragende Laichgelegenheiten ab, vor allem aber konnten sich in diesen Bereichen die Brutfische , geschützt vor Hochwasser und Fraßdruck ungestört entwickeln um dann, wenn sie größer wurden , ins Hauptgewässer abzuwanden. Durchgängigkeit gab es nie und war auch nie notwendig.

Ab der Mitte des letzten Jahrhunderts wurden nahezu alle diese Kleingewässer, vor allem aber auch die Wässerungsgräben und Quellbäche im Zuge der Flurbereinigung und der Neuordnung der Landwirtschaft entweder verfüllt oder verrohrt und nun wunderten sich die Gewässerökologen und die Fischerei darüber, dass es plötzlich sowohl im Salmoniden -, wie auch im Brachsenbereich kaum noch natürliche Vermehrung gab. Es ist modern geworden, die Durchgängigkeit von der Mündung bis zur Quelle zu verlangen, obwohl unsere Gebirgsflüsse weder im unberührten Zustand noch in der 2.000-jährigen Zeit der Landnahme durch den Menschen niemals durchgängig waren und bis in die Mitte des letzten Jahrhunderts trotzdem reiche , natürlich selbstreproduzierende Fischbestände vorhanden waren.

Auch bei Herstellung der Durchgängigkeit von der Mündung bis zur Quelle wird es nicht einen Fisch mehr in unseren Gewässern geben , nur die Herstellung von Laichgründen , verbunden mit der Wiederherstellung von geschützten Jungfischhabitaten kann die verloren gegangene Selbstreproduktion wieder zurückbringen.

Wildflüsse ohne Durchgängigkeit haben keineswegs einen schlechteren Fischbestand, in der Regel hat fehlende Durchgängigkeit keinen Einfluss auf den Standort geprägten Fischbestand.

Die Taurach in Salzburg, die vom Tauernpass kommend in die Enz fließt. Trotz oder weil die Taurach sich in vielen Kaskaden zu Tal stürzt, hat der Fluss einen hervorragenden Fischbestand. Auch der kleine Bergbach im seit dem frühen Mittelalter besiedelten Schwarzwald war nie durchgängig und hatte trotzdem solange Wiesen- und Quellgräben offen waren, ebenfalls immer einen hervorragenden Fischbestand.

Der Kürnbach springt in Kaskaden zu Tal bis er in die Kinzig mündet. Im Bergbach wird abgelegter Laich, aber auch geschlüpfte Brut von den Hochwässern abgeschwemmt. In der Taurach entwickelt sich die Brut und die Jungfische in den Gräben und Überschwemmungsbereichen der dazwischen liegenden Auen, im Schwarzwald waren es die Wiesenwässerungsgräben. Eine Laichentwicklung ist aber auch im Schwarzwaldfluss dann nicht möglich, wenn dieser die Rheinebene erreicht hat.

Blühende Murg , unterhalb von Rastatt
Bild 3: Blühende Murg , unterhalb von Rastatt

Blühende Murg, unterhalb von Rastatt. Das Gewässer ist versandet und mit Abwässern gedüngt. Man sieht dies an der Blüte des schwebenden Hahnenfusses. Weder die heimischen Salmoniden noch der Lachs wird hier jemals laichen. Sand, Schlamm, Ab – und Hochwasser verhindern ein natürliches Laichaufkommen.

Wehr in der Murg bei Gernsbach. Auch in diesem Bereich wird weder eine Standort geprägte Forelle noch eine Äsche, noch ein Lachs jemals erfolgreich laichen können. Auch in diesem Bereich ist die Murg mit Abwasser belastet, das Lückensystem von Sedimenten verfüllt, eventuell abgelegter Laich erstickt oder wird von Hochwässern in der Größe bis zur 60-fachen Mittelwasserführung hinweggeschwemmt. An dieser Wehranlage soll ein Fischaufstieg gebaut werden, auch wenn ein solcher Fischaufstieg gebaut wird, gibt es nicht einen einzigen Fisch mehr als bisher.

Trotz glasklarem sauberem Wasser gibt es auch in den Quellflüssen der Murg, wie in allen anderen Mittelgebirgsflüssen kaum eine nennenswerte natürliche Reproduktion, über weite Bereiche ist der Gewässergrund als Ausfluss des Wegebaues im Bergwald versandet, dennoch eventuell erfolgreich geschlüpfte Brut wird von den immer schneller ansteigenden Hochwasserspitzen, die als Ausfluss der Drainage und der Versiegelung zu bis zu 100-fachen Mittelwasserabflüssen führen, weggeschwemmt.

Hohle und ausgeschwemmte Ufer als Rückzugsunterstände sind aufgrund der Hochwasserabschwemnmungen selten, die Ufer sind „glatt rasiert“, Rückzugsgebiete und Schutz vor Hochwasser bieten nur noch die wenigen, früher in großer Menge vorhandenen Stein- und Holzquerbauwerke. Gerade die Querbauwerke zur Wiesenwässerung in Holzsteinkonstruktion boten jahrhundertelang neben den eigentlichen Wiesenwässerungsgräben Schutz und Unterstand bei Hochwasser und ausreichende Wassertiefe als Rückzugsgebiet bei Niedrigwasser.

Alte Wehrschwelle für die Ableitung zu einem kleinen Elektrizitätswerk, das leider still gelegt, früher mit 12 kW, bis Kriegsende ein ganzes Dorf versorgt hat.
Lediglich das frühere Brett im Oberwasser wurde entfernt.

21 prachtvolle Bachforellen in der Größe von 20 – 35 cm haben im Wehrgumpen ihren Einstand genommen.
Die Schwelle stellt im übrigen für diese Fische keinerlei Hindernis dar.

Ein ca. 1,8 m hohes Wiesenwässerungswehr im Buhlbach.
Der Wehrgumpen ist gegen 2 m tief.

Auch dieser Wehrgumpen ist, wie das prall gefüllte Netz zeigt, Rückzugsgebiet für 18 Bachforellen jeder Größe.
In Niederwasserzeiten ist der Bach bereichsweise nur noch 5 – 10 cm tief, dort finden adulte Forellen keine Unterstände gäbe es die alten Wässerungswehre nicht , dann wäre es um den Fischbestand schlecht bestellt. Forellen brauchen geschützte Unterstände im strömungsberuhigten tiefen Wasser, fehlen diese, dann fehlen auch die Forellen.


Mit dem Rückgang der Wehre und Querbauwerke gingen auch die Fischbestände zurück. Zur Zeit der intensiven Wiesenbewirtschaftung und der handwerklichen Tätigkeit in den Dörfern, gab es ein Vielfaches mehr an Wehren und Querbauwerke.
Dementsprechend gab es auch mehr Fischunterstände und mehr Bachforellen.
Aber nicht nur das : An jedem Querbauwerk war ein Wiesenwässerungsgraben oder ein Triebwerkskanal zu einer Schmiede, zu einem Sägewerk oder zu einem Kraftwerk angeschlossen, in dem sich der Laich der Kieslaicher entwickeln konnte, gleichzeitig fanden die ausgeschlüpften Brutfische in den Wiesen und Quellgräben hervorragende Unterstands- und Nahrungsmöglichkeiten.
Je weniger Wehre, desto weniger Wiesengräben, desto weniger Brutfische und desto weniger Forellen.
Die Wehre bestanden meistens aus Holz und Stein, mit der Einstellung der Wiesenwässerung, mit dem Rückgang des mit der Wasserkraft arbeitenden Handwerks sind dieser Wehre verfallen, die Wiesengräben erhielten kein Wasser mehr, sie wurden zur besseren Bewirtschaftung der Wiesen verfüllt und jetzt wundert sich die Gewässerökolgie und fragt:
Wo sind die Fische, wo sind die Forellen geblieben?
Die Hybris der Fanatiker verlangt die Herstellung der totalen Durchgängigkeit und den Rückbau der Wehre.
Die Folgen sind bekannt, noch weniger Rückzugsgebiete, noch weniger Entwicklungsmöglichkeiten für Brut – und Jungfische-, noch weniger Forellen.
Wenn Bachforellen sich wieder selbst reproduzieren sollen, dann gibt es nur eine wirksame Abhilfe : Erhaltung aller noch vorhandener Wehre, und Öffnung der davon früher einmal abgegangenen Wässerungsgräben, Bau neuer Bachverzweigungen und Quellgräben, gleichzeitig aber auch Öffnung aller Sicker – und Drainagegräben, wo dies nur irgendwie geht.

Wiesenabzugs- und Drainagegraben, entlang der Rechtmurg.
Ursprünglich zur Trockenlegung der Wiesen gebaut.


Was niemand erwartet hat, der kleine Graben besitzt einige adulte Laichfische, deren Brut sich in den seichten Bereichen hervorragend entwickelt.


Brutfische und Sömmerlinge in der Größe von 6 – 12 cm.
Wird den Fischen der Graben zu eng, wandern sie in die Rechtmurg ab, einen Fischaufstieg gibt es nicht, die Mündung liegt mehrere Meter über der Rechtmurg, er ist auch nicht notwendig.




Offen belassener Quellbach, entlang dem Buhlbach.
Auch dieser Graben stellt ein hervorragendes Entwicklungshabitat für Brutfische dar. In 80 % aller Fälle wurden derartige Quellabflüsse zur Vereinfachung der Wiesenbewirtschaftung verrohrt und direkt in den Hauptbach geleitet.



Brütlinge und Sömmerlinge aus dem Quellgraben „Buhlbach“ - 1 und 2-sömmrig.
Im seichten, nährstoffreichen Graben finden die Jungfische Schutz vor größeren Kannibalen, aber auch vor dem Reiher, daneben gibt Nahrung in Hülle und Fülle.



Neue Brut – und Laichgräben herstellen, statt nutzlose Durchgängigkeit kreieren.

Einige erfolgreich umgesetzte Beispiele:
Neue Bachverzweigung, ausgebildet als Brut- und Laichbach, Hochwasser begrenzt durch schwere Steinpackung
Wasserzufluss durch kurzes 400 mm Betonrohr.




Der neue Brutbach ist nach einem Jahr wunderbar zugewachsen.





Die erste Entwicklungsüberprüfung im Folgejahr.
Der Bach, obwohl Natur aus zweiter Hand hat sich aufgrund der Hochwasserbegrenzung struktur- und nahrungsreicher als das Hauptgewässer entwickelt.






60 Brütlinge bis zu 5 cm groß bereits im ersten Folgejahr nach der Schaffung des Brut- und Laichbiotopes Teufelsmühle (Rotmurg).






Ein 1-jähriger selbst reproduzierter Brütling im Hochsommer des Folgejahres, ca. 6 cm lang.





Von Menschenhand angelegter Brut – und Laichbach im zweiten Jahr nach der Errichtung.

Neu geschaffener Brut- und Laichbach auf einer Wiese parallel der Rechtmurg im 5. Jahr nach der Herstellung.

Nachdem die Wiesen nur noch einmal jährlich „zur Pflege“ gemäht / gemulcht werden, stört sich kein Landwirt an der wiederhergestellten „vernässenden“ Bewässerung.

Im Jahre 2002 neu geschaffener Bachlauf „Mönchsgrund“, parallel zur Rotmurg.



Wundervoll eingewachsener neuer Mönchsgrundbach mit tief unterspülten verwachsenen Randbereichen.

Das Wasser des Grabens wurde vor einigen Jahrzehnten direkt aus der Schlucht geradeaus zur Entwässerung in einer schießenden Rinne in die Rotmurg geleitet.



Im zweiten Jahr nach der Herstellung haben sich im Bach aus natürlicher Reproduktion, ohne jeden Besatz aufgrund der günstigen Verhältnisse wunderschöne Sömmerlinge entwickelt.




Natursömmerlinge aus dem neuen Mönchsgrundbach bis zu 10 cm lang.




Des Fischers Lohn für die Renaturierung und extensive Befischung:

Eine Bachforelle aus dem Buhlbach mit riesigem Kopf, kapp 60 cm lang 1,5 kg schwer, Rückenhöhe 12 cm, gefangen Mai 2005.








Eine prachtvolle Bachforelle aus der Rechtmurg, 58 cm lang, 1,4 kg schwer. Gefangen im Mai 2005.








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