Angler und Naturschutz

Sind Angler und Freizeitfischer auch Tier- und Naturschützer?

Die Funktionäre der organisierten Angelfischerei, die mit vollmundigen Worten gegen die Wasserkraftnutzung argumentieren, nehmen für sich und ihre Gilde in Anspruch nicht nur Umwelt- und Naturschützer, sondern so nebenbei auch noch Tierschützer zu sein.
Es gibt sicherlich viele faire und redliche Angler, die auch vor der strengen Meßlatte des Natur- und Umweltschutzes bestehen können. Wie groß ist aber deren Anteil in der organisierten Sportangelei tatsächlich?
Die folgenden Bilder und Berichte, allesamt entnommen aus einer der renommiertesten Anglerzeitungen Deutschlands, lassen aber doch erhebliche Zweifel aufkommen, z. B.:

Da fahren begeisterte Angler nach Neuseeland, um dann gemäß Bild Nr. 1 ("Fisch und Fang 7/2001 ") berichten zu können:


Großartig! Was für Fische! In nur einer Nacht fingen Jens Bursell und Sören Beck über 90 Langflossenaale, von denen gut die Hälfte über 5 kg wogen.

Man überlege sich also, "zwei Umwelt- und Naturschützer" aus Deutschland fliegen nach Neuseeland, um kapitale Aale zu fangen. Dagegen ist vom Grundsatz nichts einzuwenden, wer aber in einer einzigen Nacht

90 x 5 kg, also 450 kg

Aale fängt, ist, auch wenn er seine Pauschalreisegebühr bezahlt hat, weder Natur- noch Tierschützer, sondern milde ausgedrückt allenfalls ein hemmungsloser Kochtopffischer.
Dies vor dem Hintergrund, dass im gleichen Bericht auf Seite 35 "Fisch und Fang 7/2001" berichtet wird,

Langflossenaale leben im Süßwasser Neuseelands ...
Da der Bestand durch den kommerziellen Fischfang stark dezimiert wurde, kommt es für Angler darauf an, Gewässer zu finden, die seit vielen Jahren nicht mehr von Berufsfischern aufgesucht wurden ...

Im gleichen Bild posiert der stolze "Naturschützer" mit einem Netz voll erbeuteten riesiger mannsfußdicken Langflossenaale.

Man kann sich leicht ausrechnen: Wenn alle pauschalreisende "naturschützenden Angler" in dieser Weise zuschlagen, dann ist die Zeit absehbar, wann es auch in Neuseeland keine mannsfußdicke Langflossenaale mehr geben wird.

Der wirkliche Naturschützer hätte es bei einem, max. zwei solcher Riesenfische bewenden lassen, aber so sind halt viele der angelnden "Naturschützer", sie sind in ihrem Element, wenn sie schrankenlos ihrem Hobby so wie der Fuchs im Hühnerstall fröhnen können. Wo bleibt da der Naturschutz, vom Tier- u. Artenschutz ganz zu schweigen?

Mit bis zu 3 giftig spitzen Drillingen sind sie bestückt die Wobbler, mit denen Natur- und Tierschützer Jagd auf Forellen, Hechte und Zander machen. Chancenlos ist jeder Fisch, der sich von diesem glänzenden Teufelszeug dazu betören läßt auf einen solchen Köder hereinzufallen, um dann sein Leben mit sicherlich nicht geringer Qual mit bis zu 9 spitzen Widerhaken in Hals und Schlund auf erbärmliche Weise zu beenden.  

Wenn es sich dann noch um einen Jungfisch handelt, der noch nicht das Mindestmaß erreicht hat, dann wird dieser in der Regel auch dann keine Chance mehr haben, wenn der angelnde "Naturschützer" versuchen sollte mit einer Zange die mit Widerhaken bestückten Drillinge aus Maul, Hals oder Schlund der Fische herauszureißen. Selbst wenn diese blutige Operation, die meistens nicht ohne Gewaltanwendung durchführbar ist, gelungen ist, dann ist der Fisch bis dort längst verblutet und er verendet auch dann, wenn er sofort wieder ins Wasser eingesetzt wird.

Es geht natürlich auch anders: Nahezu alle Fische kann man unter Verzicht von Drillingshaken mit abgedrücktem Widerhaken fangen, so wie dies der Verfasser seit Jahrzehnten ganz selbstverständlich praktiziert.

Dies auch unter Inkaufnahme, dass es viele Fehlbisse gibt und dass nicht unbedingt jeder Fisch, der den Köder genommen hat, auch hängen bleibt. Schließlich soll der Fisch auch eine Chance im ohnehin ungleichen Kampf ums Überleben haben.

Man kann so auch gefangene Fische praktisch unversehrt wieder zurücksetzen oder sich darauf beschränken jeweils nur so viele Fische mitzunehmen, wie am gleichen oder am nächsten Tag vom Angler selbst gegessen werden können.

Würde die Mehrheit der Angler sich so verhalten, dann wäre es auch nicht erforderlich - wie von dem meisten Anglervereinen praktiziert - im Frühjahr zentnerweise fangfähige Zuchtfische auszusetzen, um den Fangtrieb der Kochtopffischer zu befriedigen, die in vielen Fällen danach trachten den bezahlten Jahresbeitrag in dementsprechendem Fischgewicht bis zum Ende der Saison auch wieder herauszufischen.

"Berlin unter Wert verkauft - Fisch und Fang 12/2000"

Hier legt der Referent für Öffentlichkeitsarbeit des Verbandes der deutschen Sportfischer in Berlin-Brandenburg klar, dass es "Spezialisten" unter den dortigen angelnden "Naturschützern" gibt, die in der Saison aus Havel und Spree - also in der Zeit der Aalwanderung - bis zu 500 Aale fangen.

Nun kann davon ausgegangen werden, dass es unter den Hunderttausenden der deutschen Organisierten "naturschützenden" Sportfischern abertausende von "Spezialisten" gibt, die, wie der Referent erläutert, in einer Sais Arbeitsgemeinschaften Wasserkraftwerke Deutschlandon bis zu 500 Aale fangen.

Gleichzeitig wird die Gefahr des drohenden Aussterbens des Aales an die Wand gemalt und man beschuldigt nach dem bewährten Motto haltet den Dieb, die Wasserkraftnutzung, weil in der Tat in einigen Großkraftwerken - nicht Kleinkraftwerken -, an wenigen Flüssen bedauerlicherweise aufgrund der dort bestehenden Rechenabstände von 100 mm und mehr eine Anzahl der durch die Turbinen abwandernden Aale verletzt oder auch getötet werden.

Selbstverständlich praktiziert nicht jeder Angler auf diese Weise negativen Tier- und Naturschutz, eine gewaltig große Anzahl der organisierten Angler sieht sich aber weiterhin privilegiert, dort, wo es viele Fische gibt - egal in welchem Winkel dieser Welt hemmungslos so viele Fische herauszufangen, wie er wegtragen kann und ihm an den Haken gehen.

Wo bleiben die Aufrufe und Mahnungen der Verbandsfunktionäre an ihre Mitglieder, die Grundsätze des Natur-, Arten- und Tierschutzes auch bei der Hakenwahl und beim sparsamen Fischeentnehmen zu beachten?

Es scheint nicht so arg weit her zu sein bei den Anglerverbänden mit dem Natur- und Artenschutz, vom Tierschutz ganz zu schweigen.

Wenn tatsächlich Fischarten bedroht sind, dann haben Tier- und Artenschützer an allererster Stelle die vornehme Pflicht, auf den Fang der betreffenden Tier- oder Fischarten zu verzichten.

Von solchen freiwilligen Fangverzichtserklärungen hört man aber bei den Anglerverbänden nur selten. In erster Linie scheint es doch immer nur darum zu gehen, von der jeweiligen Fischart möglichst viele Fische fangen zu können, einmal um den Kochtopf zu füllen, zum anderen aber auch um die Pacht- und Besatzkosten wieder herauszuholen.

Man hört auch nur selten davon, dass Anglervereine auf eigene Kosten Quell- und Wiesengräben als Laichgebiete wieder öffnen und renaturieren, in der Regel ruft man nach dem Staat, beschuldigt die Wasserkraft und konzentriert sich darauf, möglichst viele Fische zu fangen.

Eventuell einmal im Jahr durchgeführte Entrümpelungsmaßnahmen der Ufer sind zu wenig um sich hierfür das Prädikat Natur-, Arten- und Tierschützer zuerkennen zu lassen.
Ein erster Schritt zur Besserung in die richtige Richtung wäre es, wenn die Funktionäre der Anglerverbände deren Mitgliedern empfehlen würden, sich so zu verhalten, wie dies ein Herr Hubert Häring aus Fürstenfeldbruck in einem Leserbrief an Fisch und Fang in 4/2001 unter der Überschrift "Tote Fische beißen nicht" vorschlägt,

Zurecht stellt Herr Häring fest:

Keiner von uns dürfte es noch nötig haben, sich von den gefangenen Fischen ernähren zu müssen. Ich bin mir sicher, dass auch das Zurücksetzen maßiger oder sogar kapitaler Fische einen Sinn hat, nämlich den Bestand an Groß- und Laichfischen zu erhalten

Beschränkung beim Fischfang und dies besonders bei bedrohten Arten, das wäre echter Natur- und Artenschutz, da beispielsweise gerade kapitale Laichforelle den besten Grundstock für eine natürliche Vermehrung bieten.

Kapitale Fische aber, so klagte kürzlich der Fischereireferent eines Regierungspräsidiums, der nicht genannt werden will, gibt es in den Vereinsgewässern aufgrund des rigorosen Fangdruckes nur noch selten oder gar nicht mehr, der massive Besatz mit kapitalen oder fangreifen Zuchtfischen macht die Situation nicht besser, sondern eher schlechter.

Solange hier alles beim alten bleibt, fehlt der organisierten Sport- und Angelfischerei mehrheitlich die Legitimation, die Prädikate des Natur-, Arten und Tierschutzes für sich in Anspruch zu nehmen.

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